BICCnet: Digitale Transformation in der Ernährungswirtschaft

Garching, 18. September. Während die Global Player der Ernährungswirtschaft von der Digitalen Transformation profitieren, ist allgemein bei Klein- und Mittelständischen Unternehmen noch eine gewisse Skepsis zu beobachten. Um nun solche Unternehmen an einen Tisch zu bekommen und bisherige Erfahrungen, Know-how und auch Ermutigungen auszutauschen, veranstalteten das IuK-Cluster BICCnet und das Cluster Ernährung eine Tagung mit Impulsvorträgen und Workshops mit Best-Practice-Beispielen.

Trotz Staus auf der A9 nach Garching hatte sich der Großteil der Teilnehmer pünktlich im Garchinger Technologie- und Gründerzentrum (GATE) eingefunden. Clusterleiter Sascha Stöppelkamp (BICCnet) und Anja Grillenberger (Cluster Ernährung) hießen alle herzlich willkommen, mussten jedoch die Mitteilung machen, dass einer der Referenten krankheitsbedingt ausfiel und sich um Ersatz bemüht wurde, dazu später mehr.

Die erste Assoziation eines Klein- oder Mittelstandsunternehmens der Ernährungswirtschaft mit der Digitalen Transformation ist die Thematik Big Data – und damit verbunden die große Skepsis der Betroffenen. Ein Einwand, den Ben Krüll von Google zu zerstreuen versuchte, indem er Google-Clouds transparent und damit sicher darstellte.

Zum Problem der Kundenansprache und -bindung stellten Prof. Germelmann und Dr. Neder von der Universität Bayreuth den Punkt der Loyalität in den Vordergrund und sahen den Vorteil der Digitalisierung in der Verbindung aller touch-points eines Unternehmens und damit als effiziente Möglichkeit pain-points zu eliminieren, um sogenannte „Swing Customers“ längerfristig als Kunden an das eigene Unternehmen zu binden.

In den anschließenden Workshops erhielten Unternehmensvertreter die Möglichkeit, ihre Erfahrungen mit der Digitalisierung zu teilen. Ein sehr euphorischer Vortrag gelang Claus Böbel, der seiner Metzgerei durch eine „virtuelle Theke“ mehr Kapazität verleihen konnte und die Digitalisierung als Kommunikationsmittel nutzt, um sich als Fachmann zu präsentieren und dadurch einen loyalen Kundenstamm aufzubauen. Damit positionierte er sich als Pendant zu Google, da er sich weniger als „digitaler Marktschreier“ sieht, der seinen Internetauftritt in der Google-Trefferliste ganz oben stehen haben will. Insgesamt darf man sagen, dass er durch seinen mitreißenden Vortrag seine Auszeichnung mit dem Mutmacher Award vom Unternehmerdialog bestätigen konnte.

Mehr auf die Verbraucher konzentrierte sich der Vortrag von Ugur Cicek (fTRACE), indem er die Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln in den Vordergrund stellte. Den Hintergrund bilden die durch die Globalisierung lang gewordenen Lieferketten. Die fTRACE stellt nun eine Datenbank zur Verfügung, welche den langen Weg von Lebensmitteln „from Farm to Fork“ im Detail darstellt und damit eine Basis für Kundenloyalität ganz im Sinne der Keynote bildet.

Siegfried Stadler von hyperSKILL stellte im Anschluss an das Mittagessen die These, dass der Mittelstand der Digitalisierung hinterherhinkt. In diesem Zusammenhang sollte die Digitalisierung bedürfnisorientiert sein, sprich die Unternehmen die Digitale Transformation kontrollieren und nicht umgekehrt. Mit der hyperSKILL-Methode hielt er den Teilnehmern seines Workshops ihre Möglichkeiten mit der Digitalisierung vor Augen.

Wie bereits erwähnt, musste auf den Abschlussvortrag von Lorenz Edtmayer (DIAMIR Holding) verzichtet werden. Kurzfristig erklärte sich der Gründungspräsident des Zentrums Digitalisierung.Bayern (ZD.B), Prof. Dr. Dr. h.c. Manfred Broy, bereit, diesen zu übernehmen. Obwohl sich dessen Vortrag über die Veränderung durch digitale Technologie auf die ganze Wirtschaft erstreckte, ließen sich auch zur Ernährungswirtschaft erstaunlich viele Querverweise anstellen. Ein nach wie vor existierendes Problem ist eine fehlende eindeutige Definition der Digitalisierung, welche Prof. Broy anhand ihrer Themenschwerpunkte – u.a. Big Data, Blockchain – näherungsweise anzustellen versuchte. Ebenso setzte sich der Vortrag kritisch mit den Möglichkeiten auseinander. Von der fragwürdig erscheinenden Kaufverhaltens-Analyse bis hin zur hilfreich erscheinenden Stauvorhersage erscheint die Digitalisierung weiterhin als zweischneidiges Schwert – dessen Chancen im positiven Sinne jedoch genutzt werden sollten.

(djp)

Anja Grillenberger